"Einer ist unendlich mehr als keiner!"


Das Ergebnis unseres Schnuppertrainings am 27.August 2009 ist immerhin eine weitermachende junge Freizeit-Radsportlerin.

Pünktlich getroffen, haben sich 6 Mitglieder der Rennsportgruppe RSG ATLAS/RDE (für die Betriebssport-Doku: Andreas, Bärbel, Detlev, Mario, Uwe und ich) mit ihrem Gast Sonja in Richtung Weserwehr zum eigentlichen Donnerstagtreffpunkt Nummer 1 auf den Weg gemacht. Vorher wurde sich nur gegenseitig vorgestellt, die wichtigsten Dinge geklärt und ein paar Fotos geschossen.



Dort wartete bereits Thorsten auf uns. Fast genau zur geplanten Startzeit am Weserwehr kreuzte Manfred auf, der gerade mal um kurz nach vier Feierabend gemacht hatte. Bis dahin nutzten wir die Zeit, um unsere "Neue" mit ein paar Regeln vertraut zu machen, die wir uns im Laufe der Jahre im Rahmen der Straßenverkehrsvorschriften selbst gemacht bzw. auferlegt haben. Ca. 20 Minuten brauchen wir i.d.Regel bis zum 2.Treffpunkt (Kreuzung hinter Dreye Richtung Sudweyhe). Dort warten unsere Mitglieder oder Gäste aus Achim und Oyten immer auf uns, damit sie sowohl Zeit sparen als auch den Stadtverkehr meiden können. Hier empfang uns der liebe Sebastian. Jetzt waren wir genau 10 Leute. Ein sehr guter Wert, nicht zu wenig für den riesigen "erfahrbaren" Windschattenvorteil und nicht zu viel zum ordentlichen, überschaubaren und partnerschaftlichen Zusammenhalten.

Wie auch schon vorher auf dem Weserdeich verschiedene Kollegen mit sehr sinnigem Tempo, spielten jetzt Mario und Uwe bei Zweierreihe die sog. "Pèsmaker". Bei Gegenwind von rechts dirigierte ich Sonja in der 4. Reihe auf die linke Seite und zeigte ihr den jetzt idealen Windschattenpunkt.



Aufgrund unserer bereits routinierten "Führungsgüte" (Fahrdisziplin, Spurhalten, Weit- und Rücksicht etc.) traute sie sich bereits nach kurzer Beurteilung und Übung an diese Stelle und bestätigte den spürbaren Leistungsvorteil.



Aus psychologischen Gründen bin ich fast immer in mittleren Reihen mit ihr gefahren. Hier läuft ein teamdienlicher unbewusst laufender Prozess bei jedem Fahrer ab. Er will selbst dranbleiben, kann unbemerkt nicht abfallen, will selbst hochkonzentriert die Spur halten - sich eben optimal im Team positionieren. Je weiter hinten hat man an jeder Abbiegung oder Straßenquerung die größere Anschlussarbeit zu leisten. Dafür haben aber die vorderen Reihen (insbesondere die erste) auf Strecke den größeren Gegenwind. Bei unseren Geschwindigkeiten gilt die Faustformel: So schnell wir fahren, soviel Prozent Leistung spart man im Windschatten.

Die Anstiege aus Okel und Syke heraus hat unsere Sonja bei unserem gewählten Tempo hervorragend in geschlossener Gruppe gemeistert. Während der langen Waldabfahrt nach Syke merkte sie, dass sie im Windschatten bei über 40km/h schon bremsen, obwohl die vorn noch fleißig treten mussten. Auf der "rauschigen", weil kurvigen "Bergabdüse" vor Halbetzen hatte sie schon soviel Routine und Vertrauen, dass sie diese voll mit durchziehen konnte. Rechtzeitig vor dem dann folgenden "gemeinsten" Berg auf unserer Standardtour habe ich sie gewarnt und gebeten, jetzt bei mir zu bleiben. Hier darf und soll jeder bei sog. "Neutralisation" sein persönlich Bestes geben, bzw. in seiner physiologisch idealen Form den Berg besiegen. Ob Wiegetritt mit hohem Gang, "Nähmaschine" (schneller Tritt) im Sitzen, Kombinationen daraus oder ganz gemütlich weil kaputt, hier sind fast alle verschieden. Oben wird gewartet auf die da noch kommen müssen. Hier passte die strategische Fahrradvorgabe: Nie Verausgaben bis zum Umfallen, Absteigen gibt's nämlich nicht. Unsere Gänge erlauben bei jeder Steigung bis ca. 15% immer eine ökonomischere Fahrweise als zu Fuß. Wenn man weiß was kommt, braucht's nur die richtige Krafteinteilung. Wenn nicht, immer genug Reserven für das Unmögliche.

Die Schussfahrt nach Gödestorf herunter haben wir weitestgehend geschlossen die 60km/h angekratzt. Leider hat sich die liebe Sonja aus der Mulde bei Osterholz heraus (erst steiler und dann noch lang immer noch bergauf) verschaltet und wir ließen die anderen im Verbund erst mal ziehen. Auch hier noch ein Lob: Ohne falschen Stolz ließ sie sich hier von mir in Intervallen schieben. Auf dem ebenen Rückweg von Okel war natürlich bei Seitenwind von links jetzt ihr Platz rechts neben mir. Am Weserwehr, wo je sich nach Temperatur und Wetterlage ausführlich verabschiedet wird, jubelte unsere neue Errungenschaft über ihr erstes Mal über 50 Sachen. Meinen Vorschlag nach allgemein großem Lob in 2009 erst mal weiter als Gast mitzufahren und bei Saisonende für 2010 bzgl. Mitgliedschaft zu entscheiden, hat sie sofort angenommen. Mit einigen Kollegen haben wir sie noch bis zur Firma zurück begleitet. Alle freuen sich auf nächsten Donnerstag.

Resümee aus der Veranstaltung
  • Das Ergebnis ist gut!
  • Von uns war ohne Pflicht und Absprache eine tolle Mitgliederauswahl vertreten (eine weitere Dame, die beiden neuen Mitglieder von 2008 und 2009, junge und alte, schnelle und "normale").

  • Warum wohl eher durch Zufall keiner unserer immer vorhandenen und willkommenen Gastfahrer dabei war, muss an dem etwas früheren Termin gelegen haben.

  • Warum sich nicht mehr Interessierte von den eindeutig in beiden Firmen vorhandenen Freizeitradsportlern zu uns trauten, ist nicht einfach zu ergründen. Einige Vermutungen sind:

    • Die zeitliche Bindung stört => Man muss nicht immer können!
    • Dienstlich eingeschränkte Flexibilität => Wir haben doch Gleitzeit!
    • Falsche Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit => Wer bei ca. 25km/h ca. 40km allein fahren kann, kann Dank Fahrens im Team mit Windschattentausch problemlos bei uns mitmachen! Viele von uns waren nur zu Anfang vorrangig hinten; heute machen sie überwiegend die Pès.
      Sog. "Rennsportrentner" wie ich, dürfen auf Dauer überwiegend hinten fahren. Ist die Verfassung mal situativ nicht so gut, kann man sich bei uns immer "verstecken" und wird mit zunehmender "Erfahrung" wieder aufgebaut.

  • Unabhängig von dem Werbeerfolg in Mitgliedern hatte unsere Aktion aber auch eine beabsichtigte Öffentlichkeitswirkung. Es gibt noch eindeutig freie, natürlich drucklos hoch motivierte interdisziplinäre Teams bei Atlas und RDE. Fast immer kann und wird die "erfahrene" Teamwirkung auf andere Lebensbereiche (privat und dienstlich) übertragen. Die Zusammenarbeit in der Firma wird offener, transparenter und konsensreicher. Nachweisbar ist der Betriebssport, insbesondere Ausdauersportarten wie der Rennsport die wirtschaftlichste Möglichkeit, etwas für seine Gesundheit zu tun. Die sonst nötige Vereinsmeierei entfällt. Die eingesetzte Zeit kommt in Vielfachem zurück.

  • Alle, die entweder nur terminlich nicht teilnehmen konnten, oder durch diese Hinweise sich erst aufraffen wollen, melden sich bitte jederzeit bei mir. Wir können auch gern erst im Rahmen unserer situativen und individuellen sog. Sonntouren am Wochenende erste Teamfahrten machen.

Otto Plasse
(Atlas/RDE-Gesamtbetriebssportverantwortlicher und Initiator sowie Spartenleiter Radsport)