Einer gegen alle
oder Schach, Bier und Würstchen
Am 7. Juni begann die Fußball-EM. Das aber hielt die Gemeinde der Betriebsschächer nicht davon ab, sich an diesem Tag zu ihrem Sommerfest zu treffen. (Immerhin hatte die FIFA auf uns Rücksicht genommen und das erste Spiel der Deutschen auf den folgenden Tag gelegt.)
18 Schachfreunde hatten sich zum Simultanwettkampf gegen den Internationalen Meister Otto Borik versammelt. Einer von ihnen konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht spielen (gute Besserung, Manfred!), war aber interessierter Zuschauer. Leider waren infolge einer Terminverlegung die Spieler unseres frischgebackenen Mannschaftsmeisters, der Spielgemeinschaft von Kühne & Nagel und den Stahlwerken Bremen, verhindert; sie feierten an diesem Tag ihre Meisterschaft mit einer Torfkahnfahrt. So waren´s nur noch 17, aber diese konnten dem Meister länger als zwei Stunden trotzen. Zuvor hatte Jürgen Linke, Vorsitzender des LBSV, es sich nicht nehmen lassen, die Schachgemeinde und den Stargast mit launigen Worten zu begrüßen.
Ein Wort zu Otto Borik: Er ist heute Schachautor und -journalist, hat aber vor allem in den 70er bis 90er Jahren auf internationalen Turnieren und in der Bundesliga gegen Spieler der Weltklasse und der deutschen Spitze seinen Mann gestanden und trägt seitdem manch prominenten Skalp an seinem Gürtel. Auch heute hat er noch eine Wertungszahl (DWZ) von 2424, was dem gewöhnlichen Schachspieler nur Ehrfurcht abnötigen kann.
Das Gesamtergebnis fiel standesgemäß aus. Von 17 Partien gewann der Meister 13. Vier Betriebsschächer konnten ihm immerhin ein Remis abtrotzen: Gero Meyer-Arndt, Klaus Rust-Lux, Axel Buhrdorf und der Berichterstatter. Erwähnenswert ist Otto Boriks Haltung in der Partie gegen Gero Meyer-Arndt, einen reinen Freizeitspieler ohne Vereinserfahrung: Dieser hatte sich in einer wilden und komplizierten Partie bemerkenswert gut gehalten, verlor aber angesichts der unübersichtlichen Stellung den Mut und wollte die Partie aufgeben. Otto Borik war damit nicht einverstanden, weil er Meyer-Arndts Stellung für durchaus gleichwertig hielt, und bot Remis an, was dieser dankbar annahm. Die sportliche und unverkrampfte Haltung eines Schachweisen, den wir gerne wiedersehen möchten!
Nachdem die Schlacht geschlagen war, feierten alle Beteiligten, von Frau Schlüter liebevoll betreut, das Ergebnis und den Saisonschluss bei Bier, Würstchen und anderem. Ein fröhlicher und harmonischer Saisonausklang, der eine Wiederholung verdient.
E. Scotland

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